Das sind die 7 Warnsignale, die narzisstische Kollegen verraten, laut Psychologie

Warnsignale im Büro: Diese Verhaltensmuster verraten narzisstische Kollegen

Wir alle kennen diesen einen Kollegen. Der Typ, der bei jedem Teamerfolg plötzlich zum Alleinunterhalter wird und sich selbst feiert, als hätte er gerade den Nobelpreis gewonnen. Aber wenn das Projekt floppt? Dann war’s auf einmal die inkompetente Praktikantin, die unfähige IT-Abteilung oder das Wetter. Willkommen in der faszinierenden Welt narzisstischer Züge am Arbeitsplatz – einem Phänomen, das deutlich häufiger vorkommt, als du denkst.

Bevor wir tiefer eintauchen: Wir reden hier nicht von der klinischen narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung betrifft etwa 1% der Bevölkerung. Was wir meinen, sind narzisstische Züge – Verhaltensmuster, die das Arbeitsleben zur Achterbahn machen können, ohne dass eine offizielle Diagnose im Raum steht. Und genau diese Muster lassen sich erkennen, wenn man weiß, worauf man achten muss.

Das Fundament verstehen: Was bedeuten narzisstische Züge eigentlich

Menschen mit narzisstischen Zügen haben ein grandioses Selbstwertgefühl, das paradoxerweise auf einem extrem wackeligen Fundament steht. Eine riesige Statue, die auf einem winzigen Sockel balanciert – imposant anzusehen, aber ein Windstoß reicht, und sie gerät ins Schwanken.

Dieses fragile Selbstbild erklärt viele der typischen Verhaltensweisen. Die konstante Suche nach Bestätigung ist im Grunde ein verzweifelter Versuch, die innere Unsicherheit zu übertünchen. Jedes Kompliment wird wie ein Pflaster auf eine nie heilende Wunde geklebt. Das Problem? Die Wunde heilt nie wirklich, also braucht es immer mehr Pflaster.

Am Arbeitsplatz wird das besonders sichtbar, weil hier alle Zutaten für narzisstisches Verhalten auf dem Silbertablett serviert werden: klare Hierarchien, messbare Leistung, Wettbewerb und die Möglichkeit, sich mit anderen zu vergleichen. Ein Paradies für Menschen, die ihre Selbstwertprobleme durch äußere Anerkennung kompensieren müssen. Narzissmus existiert auf einem Spektrum vom normalen bis zum pathologischen Bereich, und genau deshalb ist es so wichtig, die Warnsignale zu kennen.

Erkennungsmerkmal Nummer eins: Grandiosität ohne Grenzen

Das auffälligste Warnsignal ist pure Grandiosität. Diese Kollegen verhalten sich, als wären sie die Hauptdarsteller in einem Film, in dem alle anderen nur Komparsen sind. In Meetings dominieren sie den Raum, unterbrechen ständig und präsentieren ihre Ideen mit einer Selbstsicherheit, die jede Diskussion im Keim erstickt.

Aber hier wird’s interessant: Nicht jeder selbstbewusste Mensch ist narzisstisch. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie diese Personen mit anderen umgehen. Menschen mit narzisstischen Zügen zeigen wenig echtes Interesse an den Beiträgen von Kollegen. Wenn du sprichst, hören sie nicht wirklich zu – sie warten nur darauf, dass du fertig bist, damit sie wieder die Bühne übernehmen können.

Ein weiteres Indiz ist die ausgeprägte Anspruchshaltung. Diese Personen verhalten sich so, als hätten sie automatisch Anspruch auf Sonderbehandlung: das bessere Büro, die interessanteren Projekte, flexiblere Arbeitszeiten. Nicht, weil sie objektiv mehr leisten würden, sondern weil sie sich subjektiv für außergewöhnlich halten.

Die Kunst der Selbstinszenierung

Achte darauf, wie oft jemand in Präsentationen das Wort „ich“ statt „wir“ verwendet. Menschen mit narzisstischen Zügen haben ein beeindruckendes Talent dafür, Teamleistungen in Solo-Erfolge umzumünzen. Aus „Unser Team hat das Projekt abgeschlossen“ wird mühelos „Ich habe das Projekt zum Erfolg geführt“. Die anderen 15 Leute, die mitgearbeitet haben? Statistenrollen.

Das Erfolgs-Misserfolgs-Ping-Pong: Immer auf der Gewinnerseite

Hier wird’s richtig spannend und für Teams besonders toxisch. Menschen mit stark ausgeprägten narzisstischen Zügen zeigen einen selbstwertdienlichen Attributionsstil – psychologisch gesprochen bedeutet das: Erfolge gehören mir, Misserfolge gehören anderen.

Wenn ein Projekt gut läuft, war es ihre brillante Strategie, ihre überlegene Arbeitsmoral, ihr außergewöhnliches Talent. Sie nehmen Auszeichnungen gerne entgegen, selbst wenn diese eigentlich Teamleistungen würdigen sollen. In ihrem Kopf haben sie den Löwenanteil beigetragen, also steht ihnen auch der Löwenanteil der Anerkennung zu.

Sobald etwas schiefgeht, verwandelt sich das selbstbewusste „Ich“ jedoch magisch in ein anklagendes „Die anderen“. Das Team hat versagt, der Kunde war unrealistisch, die Rahmenbedingungen waren unmöglich, die Kollegen haben nicht genug Einsatz gezeigt. Schuld zuzugeben würde bedeuten, nicht perfekt zu sein – und genau das kann das fragile innere Konstrukt nicht verkraften.

Dieses Muster ist kein Zufall. Es ist ein Schutzmechanismus für das wackelige Selbstbild. Verantwortung für Fehler zu übernehmen würde die sorgfältig aufgebaute Fassade der Überlegenheit zum Einsturz bringen.

Kritik als Kryptonit: Wenn Feedback zur Kriegserklärung wird

Willst du wissen, ob jemand narzisstische Züge hat? Gib konstruktives Feedback. Die Reaktion wird aufschlussreich sein. Menschen mit diesen Verhaltensmustern haben massive Schwierigkeiten, Kritik anzunehmen – selbst wenn sie sachlich, berechtigt und freundlich formuliert ist.

Die Reaktionen variieren: Manche werden defensiv und wütend, andere beleidigt und schmollend. Einige kontern sofort mit Gegenangriffen oder lenken ab. Was alle gemeinsam haben: Sie nutzen das Feedback nicht zur Verbesserung, sondern erleben es als persönlichen Angriff auf ihre gesamte Existenz.

Besonders problematisch wird das in Führungspositionen. Statt aus Fehlern zu lernen und Prozesse zu verbessern, werden Mitarbeiter zu Sündenböcken gemacht. Das Ergebnis ist ein Klima der Angst, in dem niemand mehr ehrliches Feedback gibt und Probleme so lange unter den Teppich gekehrt werden, bis das gesamte Büro darüber stolpert.

Die subtilen Warnsignale: Manipulation und fehlende Empathie

Nicht alle narzisstischen Verhaltensweisen sind so offensichtlich wie Großspurigkeit. Manche sind subtiler und gerade deshalb gefährlicher. Manipulatives Verhalten gehört häufig zum Repertoire. Das reicht von Gaslighting über Dreiecksgespräche bis zu gezielter Informationszurückhaltung.

Gaslighting bedeutet, dass jemand dich an deiner eigenen Wahrnehmung zweifeln lässt. „Das habe ich nie gesagt“, „Du erinnerst dich falsch“, „Du überreagierst“ – selbst wenn du genau weißt, dass deine Wahrnehmung korrekt ist. Bei Dreiecksgesprächen werden Kollegen gegeneinander ausgespielt, um Kontrolle zu behalten und Konflikte zu schüren.

Diese Personen haben ein erstaunliches Talent dafür, Schwächen anderer zu erkennen und auszunutzen. Nicht aus böswilliger Absicht im klassischen Sinne, sondern weil andere Menschen für sie hauptsächlich als Mittel zum Zweck existieren. Das bringt uns zum nächsten Punkt: dem Mangel an echter Empathie.

Der Unterschied zwischen kognitiver und emotionaler Empathie

Hier wird es kompliziert: Viele Menschen mit narzisstischen Zügen können Empathie durchaus kognitiv nachvollziehen. Sie verstehen intellektuell, dass du gerade gestresst oder traurig bist. Was fehlt, ist die emotionale Resonanz, das echte Mitgefühl. Sie wissen, was sie sagen sollten, aber es klingt hohl – weil es das auch ist.

In Teamsituationen zeigt sich das deutlich: Wenn ein Kollege persönliche Probleme hat, die seine Leistung beeinträchtigen, reagieren sie mit Ungeduld statt Verständnis. Ihre erste Frage ist nicht „Wie kann ich helfen“, sondern „Wann bist du wieder voll einsatzfähig“.

Neid und Abwertung: Wenn andere Erfolg haben

Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Zügen können extrem neidisch reagieren, wenn andere Erfolg haben oder Anerkennung bekommen. Das widerspricht fundamental ihrem Selbstbild als einzig wirklich herausragende Person im Raum.

Dieser Neid zeigt sich selten offen – das wäre zu offensichtlich. Stattdessen kommt er als Abwertung daher: „Das Projekt war ja auch nicht besonders anspruchsvoll“, „Der Kunde ist eben leicht zufriedenzustellen“, „Dafür hätte ich nur halb so lang gebraucht“. Sie können den Erfolg anderer nicht einfach stehen lassen, sondern müssen ihn kleinreden, um ihre eigene vermeintliche Überlegenheit zu bewahren.

In Teams führt das zu einem toxischen Klima, in dem Erfolge nicht gefeiert werden können. Manchmal sabotieren sie sogar aktiv die Projekte von Kollegen, um selbst besser dazustehen. Nicht durch offene Konfrontation, sondern durch subtile Mittel: wichtige Informationen vorenthalten, Zugang zu Ressourcen blockieren oder hinter dem Rücken schlecht über andere reden.

Schutzmechanismen: So gehst du mit toxischen Kollegen um

Du hast jemanden identifiziert, der mehrere dieser Warnsignale zeigt. Was nun? Der Umgang mit narzisstischen Persönlichkeiten im Job erfordert strategisches Vorgehen und klare Grenzen.

Dokumentiere alles. Bei Menschen, die gern Verantwortung verschieben, sind schriftliche Nachweise Gold wert. E-Mails mit Zusammenfassungen von Meetings, klare Aufgabenverteilungen, Protokolle – alles, was im Konfliktfall zeigt, wer was wann gesagt oder getan hat. Das ist nicht paranoid, das ist Selbstschutz.

Bleib sachlich. Emotionale Diskussionen sind ihr Spielfeld, weil sie dich dort aus der Balance bringen können. Halte dich an Fakten, Zahlen, messbare Ergebnisse. „Ich fühle mich übergangen“ lässt sich wegdiskutieren – „In den letzten fünf Meetings wurde ich viermal unterbrochen, bevor ich meinen Satz beenden konnte“ deutlich weniger.

Erwarte keine Einsicht. Du wirst diese Person wahrscheinlich nicht ändern. Konfrontationen führen oft nur zu Eskalationen. Konzentriere dich darauf, deine eigenen Grenzen zu schützen und toxische Dynamiken zu minimieren, nicht darauf, sie zu „heilen“ oder zur Selbsterkenntnis zu führen. Das ist nicht deine Aufgabe.

Suche Verbündete. Meistens bist du nicht die einzige Person, die diese Muster bemerkt. Ein starkes Team, das sich gegenseitig unterstützt und für fairen Umgang einsteht, kann den negativen Einfluss einer einzelnen toxischen Person deutlich abfedern. Gemeinschaft ist Schutz.

Die Graustein-Technik: Emotional uninteressant werden

Eine bewährte Strategie ist die sogenannte Graustein-Technik: Mach dich emotional uninteressant. Reagiere neutral, biete keine Angriffsfläche für Drama. Menschen mit narzisstischen Zügen suchen oft emotionale Reaktionen – wenn du die nicht lieferst, verlierst du als Ziel an Attraktivität. Du wirst langweilig für sie, und das ist gut so.

Wann wird professionelle Hilfe nötig

Es gibt einen Unterschied zwischen jemandem mit nervigen narzisstischen Zügen und einer Situation, die deine psychische Gesundheit oder die Funktionsfähigkeit des Teams ernsthaft gefährdet. Wenn du oder Kollegen durch das Verhalten dieser Person unter Angstzuständen leiden, nicht mehr schlafen können oder bereits über Kündigung nachdenken, ist es Zeit, die Personalabteilung oder höhere Führungsebenen einzubeziehen.

Besonders bei systematischem Mobbing, gezielter Sabotage oder wenn die Person in einer Führungsposition die gesamte Teamkultur vergiftet, braucht es strukturelle Lösungen. Das ist keine Petze, das ist Selbstschutz und Verantwortung fürs Team. Deine mentale Gesundheit ist wichtiger als falsch verstandene Loyalität.

Der wichtige Reality-Check: Nicht jeder Egoist ist ein Narzisst

Bevor wir uns in Diagnosen verlieren: Nicht jeder, der mal von sich überzeugt ist, Kritik schlecht wegsteckt oder sich selbst lobt, hat gleich narzisstische Züge. Wir alle haben mal schlechte Tage, sind mal selbstbezogener oder defensiver als sonst. Das ist normal und menschlich.

Worauf es ankommt, ist das Muster über Zeit. Zeigt jemand diese Verhaltensweisen konstant, über verschiedene Situationen hinweg, ohne Einsicht oder Veränderungsbereitschaft? Dann könnte es sich um verfestigte narzisstische Züge handeln. Ein einzelner Ausrutscher macht noch keinen Narzissten – ein jahrelanger Track Record schon eher.

Außerdem spielen kulturelle und situative Faktoren eine Rolle. In manchen Branchen oder Unternehmenskulturen ist selbstbewusstes Auftreten stärker erwünscht und wird anders interpretiert als in anderen. Der Kontext matters.

Deine persönliche Checkliste für den Arbeitsalltag

Narzisstische Züge im Berufsleben zu erkennen ist keine Raketenwissenschaft, aber es erfordert Aufmerksamkeit für Muster statt einzelne Ereignisse. Die wichtigsten Warnsignale:

  • Grandiosität: Ständige Selbstüberhöhung und Dominanz in Gesprächen
  • Anspruchshaltung: Erwartung von Sonderbehandlung ohne entsprechende Leistung
  • Erfolgszuschreibung: Erfolge gehören immer „mir“, Misserfolge immer „den anderen“
  • Kritikresistenz: Feedback wird als persönlicher Angriff erlebt, nicht als Entwicklungschance
  • Manipulatives Verhalten: Gaslighting, Dreiecksgespräche, Informationszurückhaltung
  • Empathiemangel: Kognitives Verständnis vorhanden, emotionale Resonanz fehlt
  • Neid und Abwertung: Erfolge anderer müssen kleingeredet werden

Die gute Nachricht: Du musst nicht Opfer dieser Dynamiken werden. Mit klaren Grenzen, guter Dokumentation und einem starken Support-Netzwerk im Team kannst du dich schützen. Es geht nicht darum, diese Menschen zu diagnostizieren oder zu reparieren – es geht darum, dein eigenes Wohlbefinden und deine professionelle Effektivität zu wahren.

Manchmal ist die beste Lösung auch, den Job zu wechseln. Keine Arbeitsumgebung ist es wert, deine psychische Gesundheit zu opfern. Es gibt genug Teams da draußen, in denen Erfolge gemeinsam gefeiert, Verantwortung geteilt und Kritik als Chance zur Weiterentwicklung gesehen wird. Du verdienst nichts weniger als das.

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