Diese Keimhemmungsmittel stecken in Ihren Kartoffeln, ohne dass Sie es jemals erfahren werden

Kartoffeln gehören zu den beliebtesten Grundnahrungsmitteln in deutschen Haushalten. Besonders verlockend wirken Angebotsaktionen, bei denen die Knollen zu reduzierten Preisen angeboten werden. Doch gerade bei Sonderangeboten lohnt sich ein genauerer Blick auf die Verpackung und die Herkunft der Kartoffeln. Was viele Verbraucher nicht wissen: Auch bei diesem scheinbar natürlichen Produkt können Behandlungsstoffe und Konservierungsmittel zum Einsatz kommen, die nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind.

Warum werden Kartoffeln überhaupt behandelt?

Die Behandlung von Kartoffeln mit verschiedenen Substanzen dient hauptsächlich der Haltbarkeitsverlängerung und der Vermeidung von Keimbildung. Während der Lagerung neigen Kartoffeln dazu, auszutreiben, was ihre Qualität mindert und den Solaningehalt erhöhen kann. Um diesen natürlichen Prozess zu verzögern, greifen Erzeuger und Händler zu unterschiedlichen Mitteln. Besonders bei großen Mengen, die über längere Zeiträume gelagert werden müssen, erscheint der Einsatz solcher Stoffe aus wirtschaftlicher Sicht attraktiv.

Interessanterweise wird die Behandlung nicht immer deutlich kommuniziert. Während bei abgepackten Kartoffeln für bestimmte Mittel eine Kennzeichnungspflicht besteht, sieht es bei loser Ware anders aus. Hier genügt oft ein kleines Schild am Regal, das leicht übersehen werden kann.

Welche Behandlungsstoffe kommen zum Einsatz?

Bei der Nacherntebehandlung von Kartoffeln werden verschiedene Substanzen verwendet. Zu den häufigsten gehören Keimhemmungsmittel, die das Austreiben verhindern sollen. Diese Stoffe werden entweder direkt auf die Knollen aufgesprüht oder während der Lagerung als Gas eingesetzt.

Chlorpropham und seine Alternativen

Lange Zeit war Chlorpropham das Mittel der Wahl zur Keimhemmung. Seit dem 1. Januar 2020 ist Chlorpropham verboten und darf seit dem 8. Oktober 2020 nicht mehr verwendet werden. Seither suchen Produzenten nach Alternativen. Dazu gehören unter anderem Ethylen, ätherische Öle wie Grüne-Minze-Öl, 1,4-Dimethylnaphthalin oder Maleinsäurehydrazid wird verwendet, das bereits auf dem Feld ausgebracht wird.

Die Problematik: Nicht alle diese Alternativen sind zwingend harmloser als ihre Vorgänger. Zudem fehlen teilweise Langzeitstudien zu möglichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.

Die Kennzeichnungslücke bei modernen Keimhemmungsmitteln

Eine wesentliche Information, die viele Verbraucher nicht kennen: Von den heute eingesetzten Keimhemmungsmitteln ist nur Imazalil kennzeichnungspflichtig. Die häufiger verwendeten Alternativen wie Ethylen, Grüne-Minze-Öl, Maleinsäurehydrazid und 1,4-Dimethylnaphthalin müssen auf der Verpackung nicht angegeben werden. Das bedeutet, dass Kartoffeln behandelt sein können, ohne dass Verbraucher dies erkennen können. Diese Kennzeichnungslücke erschwert bewusste Kaufentscheidungen erheblich.

Der Zusammenhang zwischen Angeboten und Behandlung

Warum gerade bei Angebotsware besondere Vorsicht geboten ist, lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Oftmals handelt es sich bei reduzierten Kartoffeln um Lagerware, die bereits mehrere Monate alt ist. Je länger die Lagerdauer, desto wahrscheinlicher wurde eine Behandlung durchgeführt, um die Haltbarkeit zu gewährleisten.

Zudem werden Angebote häufig genutzt, um größere Mengen abzusetzen, bei denen die Nachfrage sonst zu gering wäre. Dies kann auf saisonale Überschüsse oder auf Ware zurückzuführen sein, die dem Ende ihrer optimalen Lagerzeit entgegengeht.

Wie erkennen Verbraucher behandelte Kartoffeln?

Die Kennzeichnung ist der erste Anhaltspunkt, bietet aber keine Vollständigkeit. Bei verpackten Kartoffeln muss eine Behandlung nur mit bestimmten Keimhemmungsmitteln angegeben werden. Derzeit ist Imazalil das einzige noch zugelassene kennzeichnungspflichtige Mittel dieser Art. Die früher ebenfalls kennzeichnungspflichtigen Substanzen Thiabendazol und Chlorpropham sind nicht mehr zugelassen.

Wenn auf einer Kartoffelverpackung der Hinweis „nach der Ernte behandelt“ steht, bedeutet dies nach aktuellem Stand sehr wahrscheinlich, dass die Kartoffeln mit Imazalil behandelt wurden. Andere Keimhemmungsmittel müssen nicht angegeben werden, selbst wenn sie verwendet wurden. Diese eingeschränkte Transparenz macht es Verbrauchern schwer, vollständig informierte Entscheidungen zu treffen.

Kennzeichnung bei loser Ware

Bei unverpackten Kartoffeln gestaltet sich die Situation noch schwieriger. Hier sollte ein Schild in unmittelbarer Nähe der Ware auf eine eventuelle Behandlung hinweisen. In der Praxis ist diese Information jedoch häufig in kleiner Schrift angebracht oder wird zwischen anderen Produktinformationen versteckt. Verbraucher sollten gezielt nach solchen Hinweisen suchen oder das Verkaufspersonal direkt ansprechen.

Entgegen mancher Vermutungen lassen sich behandelte Kartoffeln nicht zuverlässig am Aussehen erkennen. Die Annahme, behandelte Knollen hätten eine ungewöhnlich glatte oder glänzende Oberfläche, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Auch das Fehlen von Keimansätzen bei Lagerware im Frühjahr oder Sommer kann zwar auf eine Behandlung hindeuten, ist aber kein sicherer Indikator, da auch Lagerbedingungen wie Temperatur und Licht das Keimverhalten beeinflussen.

Gesundheitliche Aspekte und Vorsichtsmaßnahmen

Die Rückstände von Behandlungsmitteln auf Kartoffeln liegen in der Regel unterhalb der gesetzlich festgelegten Grenzwerte. Dennoch bevorzugen viele Verbraucher aus gutem Grund unbehandelte Ware, besonders wenn die Kartoffeln für Kinder zubereitet werden oder wenn eine Vorerkrankung besteht.

Unabhängig davon, ob Kartoffeln behandelt wurden oder nicht, sollten bestimmte Zubereitungsregeln beachtet werden. Gründliches Waschen unter fließendem Wasser ist unerlässlich. Bei Kartoffeln, die geschält werden, entfernt man dabei automatisch die Schicht, in der sich die meisten Rückstände befinden. Wer Pellkartoffeln bevorzugt, sollte diese nach dem Kochen pellen, um die Aufnahme von Behandlungsmitteln zu minimieren. Grüne Stellen und Keime müssen großzügig entfernt werden, da sie den natürlichen Giftstoff Solanin enthalten, dessen Konzentration unabhängig von einer Behandlung gesundheitsschädlich sein kann.

Alternativen und bewusster Einkauf

Verbraucher, die Behandlungsstoffe möglichst vermeiden möchten, haben mehrere Optionen. Biologisch erzeugte Kartoffeln bieten jedoch nicht den vollständigen Schutz, den viele erwarten. Während synthetische Mittel in der Bio-Produktion nie erlaubt waren, dürfen Bio-Speisekartoffeln durchaus mit bestimmten Keimhemmungsmitteln behandelt werden. Ethylen und Grüne-Minze-Öl sind auch bei Bio-Kartoffeln zugelassen. Wer behandelte Ware komplett vermeiden möchte, sollte gezielt nach Kartoffeln suchen, die ausdrücklich als unbehandelt ausgezeichnet sind, oder auf Lagerungsmethoden setzen, die ausschließlich auf Temperatursteuerung basieren.

Frisch geerntete Kartoffeln aus der Region benötigen in der Regel keine Behandlung, da sie zeitnah verkauft werden. Im Herbst und Frühherbst ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, unbehandelte Ware zu erhalten. Direktvermarkter und Wochenmärkte bieten oft Kartoffeln an, die erst kurz vor dem Verkauf geerntet wurden. Statt große Vorratsmengen anzulegen, empfiehlt sich der Kauf kleinerer Portionen, die zeitnah verbraucht werden. Dies reduziert nicht nur das Risiko, behandelte Lagerware zu erwerben, sondern verhindert auch, dass Kartoffeln zu Hause ungenutzt verderben oder keimen.

Die richtige Lagerung zu Hause

Wer Kartoffeln korrekt lagert, kann auch unbehandelte Ware über Wochen frisch halten. Dunkelheit, Kühle und eine gute Luftzirkulation sind entscheidend. Temperaturen zwischen vier und acht Grad Celsius sind ideal. Der Kühlschrank ist hingegen ungeeignet, da die zu niedrigen Temperaturen den Geschmack und die Konsistenz der Kartoffeln verändern können. Ein kühler Keller oder eine Vorratskammer bieten bessere Bedingungen.

Kartoffeln sollten nicht in Plastiktüten aufbewahrt werden, da diese die Feuchtigkeit stauen und Schimmelbildung begünstigen. Stoffbeutel, Papiertüten oder luftdurchlässige Körbe sind die bessere Wahl.

Verbraucherschutz beginnt beim Einkauf

Informierte Kaufentscheidungen sind der beste Weg, um unerwünschte Zusatzstoffe zu vermeiden. Das bedeutet konkret: Etiketten lesen, gezielt nachfragen und bei Unsicherheit auf Alternativen ausweichen. Verbraucher sollten sich jedoch bewusst sein, dass die aktuelle Kennzeichnungspflicht erhebliche Lücken aufweist und viele Behandlungsmittel nicht deklariert werden müssen.

Gerade bei Angeboten, die auf den ersten Blick besonders attraktiv erscheinen, lohnt sich die Investition von ein paar Minuten, um die Herkunft, das Erntedatum und eventuelle Behandlungen zu prüfen. Was zunächst wie ein Schnäppchen wirkt, kann sich als Kompromiss bei der Qualität herausstellen. Die fehlende Transparenz bei vielen modernen Keimhemmungsmitteln macht es umso wichtiger, direkt beim Händler nachzufragen oder auf frische, saisonale Ware zurückzugreifen. Transparenz sollte von Händlern nicht als lästige Pflicht, sondern als Chance begriffen werden, Vertrauen aufzubauen und langfristige Kundenbeziehungen zu etablieren.

Wie oft prüfst du Kartoffeln auf Behandlungshinweise beim Einkauf?
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Manchmal wenn ich dran denke
Selten bis nie
Wusste nicht dass nötig
Kaufe nur Bio oder regional

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