Profis warnen: Was Eisbildung über deinen Gefrierschrank verrät bevor er komplett versagt

Ein Gefrierschrank, der unbemerkt zu warm läuft oder dessen Dichtung ungleichmäßig schließt, erhöht nicht nur die Stromrechnung. Er verändert auch die chemische Stabilität tiefgefrorener Lebensmittel, was letztlich Qualität, Geschmack und Sicherheit beeinträchtigt. In vielen Haushalten sind diese Abweichungen so gering, dass sie kaum spürbar scheinen – bis Eisschichten, Kondenswasser oder Stromverbrauch zur Gewohnheit geworden sind. Dabei beginnt die Lösung nicht mit dem Neukauf eines energieeffizienten Modells, sondern mit einer intelligenten Routine der Kontrolle und Pflege.

Die meisten Menschen öffnen ihren Gefrierschrank täglich, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was im Inneren tatsächlich geschieht. Die Kälte wird als selbstverständlich hingenommen, die Funktion des Geräts als gegeben. Doch hinter der geschlossenen Tür spielt sich ein komplexes Zusammenspiel physikalischer und biochemischer Prozesse ab, das durch kleinste Störungen aus dem Gleichgewicht geraten kann. Eine Türdichtung, die nur an einer Stelle minimal nachgibt, ein Sensor, der sich über die Jahre unmerklich verstellt, oder eine dünne Eisschicht, die langsam wächst – all diese scheinbar unbedeutenden Details summieren sich zu messbaren Auswirkungen auf Energieverbrauch und Lebensmittelqualität.

Die Temperatur im Gefrierschrank ist kein willkürlich gewählter Wert. Sie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Konservierung von Lebensmitteln und die Hemmung mikrobieller Aktivität. Doch selbst das beste Gerät kann diese Bedingungen nicht dauerhaft aufrechterhalten, wenn es nicht regelmäßig kontrolliert und gepflegt wird. Maschinen altern: Sensoren kalibrieren sich unbemerkt um, Dichtungen verlieren Elastizität, Lüftungsschlitze verstopfen durch Frost. Ohne einfache Routinen stabilisiert kein Gerät auf Dauer diesen empfindlichen Gleichgewichtszustand.

Warum eine stabile Gefriertemperatur entscheidend ist

Wissenschaftlich betrachtet hängt die Lebensmittelsicherheit im Tiefkühlbereich von der konstanten Gefriertemperatur von -18 °C ab. Laut Expertenwissen aus der Lebensmittelkonservierung verhindert diese Grenze das Wachstum mikrobieller Aktivität nahezu vollständig, stoppt enzymatische Prozesse und erhält Textur und Farbe besser als jede chemische Behandlung. Diese Temperatur ist nicht zufällig gewählt, sondern stellt den optimalen Punkt dar, an dem die physikalischen und biochemischen Prozesse, die Lebensmittel verderben lassen, praktisch zum Stillstand kommen.

Eine Schwankung von nur drei Grad nach oben – also von -18 °C auf -15 °C – reduziert die empfohlene Lagerzeit vieler Lebensmittel um bis zu die Hälfte. Fett oxidiert schneller, Vitamine werden abgebaut, und bei wiederholtem Antauen und Gefrieren bilden sich Eiskristalle, die Zellstrukturen zerreißen. Das, was wir als Gefrierbrand kennen, ist physikalisch betrachtet eine Sublimation: Wasser geht direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über und hinterlässt trockene, geschmacklose Stellen.

Die chemischen Reaktionen, die in Lebensmitteln ablaufen, verlangsamen sich mit sinkender Temperatur exponentiell. Doch sie stoppen nie vollständig. Selbst bei -18 °C finden langsame Oxidationsprozesse statt, wenn auch in einem Tempo, das die Haltbarkeit auf Monate oder sogar Jahre ausdehnt. Steigt die Temperatur jedoch nur geringfügig an, beschleunigen sich diese Prozesse dramatisch. Enzyme, die bei korrekter Gefriertemperatur inaktiv sind, können wieder aktiv werden und Geschmack, Farbe und Nährstoffgehalt beeinträchtigen.

Hinzu kommt der energetische Aspekt. Wie aus technischen Analysen der Geräteindustrie bekannt ist, erhöht jeder Grad kälter als nötig den Verbrauch um etwa 5 Prozent. Ein Gefrierschrank, der dauerhaft zu niedrig eingestellt ist, arbeitet also ineffizient – zu warm ist er gefährlich. Der optimale Punkt liegt genau bei der idealen Gefriertemperatur -18 °C, gemessen im mittleren Fach nach mindestens zwölf Stunden Stabilität.

Der Unterschied zwischen einem Gerät, das korrekt kalibriert ist, und einem, das nur scheinbar funktioniert, summiert sich in einem Jahr zu mehreren Kilowattstunden – und vor allem zu stabilerer Lebensmittelsicherheit. Die Energiebilanz eines Haushalts wird maßgeblich von diesen scheinbar kleinen Abweichungen beeinflusst. Ein Gefrierschrank, der kontinuierlich bei -20 °C läuft, weil niemand die Einstellung überprüft hat, verbraucht unnötig etwa 10 Prozent mehr Strom als nötig. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch eines Gefrierschranks von etwa 200 bis 300 Kilowattstunden bedeutet dies eine vermeidbare Mehrausgabe, die sich über die Lebensdauer des Geräts zu beträchtlichen Summen addiert.

Die unscheinbaren Dichtungen: Biochemie am Rand der Tür

Gummidichtungen erscheinen banal, doch sie beeinflussen das gesamte Kältemanagement. Eine unbemerkte Undichtigkeit lässt warme, feuchte Luft eindringen. Diese kondensiert und gefriert an den kalten Flächen im Inneren zu Eis. Der Kompressor reagiert mit längeren Laufzeiten, um das Temperaturdelta auszugleichen, was wiederum die Luftfeuchtigkeit im Gerät verändert – ein Kreislauf ineffizienter Selbstkompensation.

Die Physik hinter diesem Phänomen ist eindeutig: Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Wenn also auch nur ein schmaler Spalt in der Dichtung existiert, dringt kontinuierlich feuchte Raumluft in den Gefrierraum ein. Dort kühlt sie schlagartig ab, und der Wasserdampf kondensiert sofort. Das entstehende Wasser gefriert an den kältesten Stellen, typischerweise an der Rückwand oder an den Verdampferflächen. Diese Eisbildung wirkt wie eine Isolationsschicht, die den Wärmeaustausch behindert und den Kompressor zwingt, länger zu laufen, um die Solltemperatur zu erreichen.

Ein einfaches Prüfverfahren ist der Papiertest: Ein Blatt zwischen Dichtung und Rahmen klemmen, Tür schließen und leicht ziehen. Gleitet das Papier mühelos heraus, fehlt der Anpressdruck. Diese lokale Undichtigkeit genügt, um ein dauerhaft leichtes Einströmen warmer Luft zu ermöglichen. Diese Methode, die in der Haushaltstechnik seit Jahrzehnten empfohlen wird, ist simpel, aber äußerst effektiv. Sie erfordert keine Werkzeuge, keine technischen Kenntnisse und dauert nur wenige Sekunden.

Die chemische Alterung des Kunststoffs erfolgt meist durch Weichmacherverlust, ausgelöst durch Fette, Reinigungsmittel oder UV-Strahlung. Wenn also der Dichtungsgummi hart oder grau wird, verliert er die Fähigkeit, seine Ursprungsform zurückzuerlangen. Ein Austausch kostet wenig, spart aber im Jahr mehr Energie, als er an Materialpreis verursacht.

Die Lebensdauer einer Türdichtung hängt stark von der Pflege ab. Fette und Öle, die beim Hantieren mit Lebensmitteln unweigerlich auf die Dichtung gelangen, wirken als Lösungsmittel für die Weichmacher im Gummi. Aggressive Reinigungsmittel, insbesondere solche mit hohem Alkoholgehalt, beschleunigen diesen Prozess zusätzlich. Selbst die UV-Strahlung, die durch Küchenfenster einfällt, kann über Jahre hinweg die Elastizität des Materials beeinträchtigen. Das Ergebnis ist immer dasselbe: Die Dichtung wird spröde, verliert ihre Flexibilität und kann nicht mehr gleichmäßig anliegen.

Die Routine, die Gefrierschränke länger leben lässt

Wer alle paar Monate mechanisch entstaubt und Kondensatoren freilegt, handelt bereits richtig. Doch entscheidend ist die Kombination aus Temperatur-, Dichtungs- und Frostmanagement in einer klaren Zeitschiene. Die Wartung eines Gefrierschranks ist keine komplizierte Angelegenheit, die technisches Fachwissen erfordert. Sie besteht aus wenigen, einfachen Handgriffen, die in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden müssen.

  • Monatlich: Kontrolle der Temperatur mit einem unabhängigen Thermometer. Idealerweise liegt der Messfühler in der Mitte, nicht an der Wand, um Wärmenester oder Kälteinseln zu erkennen. Die eingebauten Temperaturanzeigen vieler Geräte zeigen oft nur die Solltemperatur an, nicht die tatsächliche Innentemperatur. Ein externes Thermometer mit digitalem Display und Min-/Max-Funktion kostet nur wenige Euro und liefert präzise Daten über die realen Bedingungen im Gefrierraum.
  • Vierteljährlich: Abtauen, sobald Eisschichten dicker als 5 mm werden. Schon eine dünne Frostschicht erhöht den Stromverbrauch deutlich, da Eis ein schlechter Wärmeleiter ist. Die thermische Leitfähigkeit von Eis beträgt nur etwa ein Viertel der von Metall. Eine Eisschicht wirkt daher wie eine Isolierung, die verhindert, dass die Kälte effizient in den Innenraum übertragen wird. Der Kompressor muss entsprechend länger laufen, um die gewünschte Temperatur zu erreichen und zu halten.

Diese Abfolge bildet eine Mini-Instandhaltungsroutine, die keine technische Ausbildung erfordert, aber die Lebensdauer des Geräts um mehrere Jahre verlängert. Die Investition an Zeit ist minimal – insgesamt vielleicht zwei bis drei Stunden pro Jahr – aber der Ertrag in Form von Energieeinsparungen, verlängerter Gerätelebensdauer und besserer Lebensmittelqualität ist erheblich.

Wenn Eisbildung mehr sagt als jedes Thermometer

Übermäßige Eisbildung ist kein normales Alterungszeichen. Sie ist eine Information. Die Struktur und Position des Eises verraten die Ursache. Ein erfahrener Blick kann aus dem Muster der Eisbildung präzise Rückschlüsse auf die zugrundeliegenden Probleme ziehen. Eis an der Rückwand deutet auf schwache Luftzirkulation durch verstellte Lüftungsschlitze oder zu dichte Verpackung hin. Wenn Lebensmittel direkt an der Rückwand anliegen oder die Lüftungsöffnungen blockieren, kann die kalte Luft nicht zirkulieren. Sie staut sich an bestimmten Stellen, was zu verstärkter Kondensation und Eisbildung führt.

Eis am Türrahmen signalisiert eine defekte oder verschmutzte Dichtung. Dies ist das klassische Zeichen für undichte Stellen, durch die kontinuierlich feuchte Luft eindringt. Das Eis bildet sich typischerweise genau dort, wo die Dichtung nicht mehr richtig anliegt. Eis unter den Körben weist auf eine undichte Ablauföffnung hin, durch die Tauwasser nicht abfließt. Bei Modellen mit automatischer Abtaufunktion oder bei manuell abgetauten Geräten muss das Schmelzwasser abfließen können. Ist der Ablauf verstopft, sammelt sich das Wasser im Inneren und gefriert erneut.

Wer diese Muster liest, kann Fehler erkennen, bevor sie den Stromzähler sichtbar beschleunigen. Besonders bei No-Frost-Modellen führt oft ein blockierter Sensor dazu, dass automatische Zyklen abbrechen. Einmal im Jahr das integrierte Entlüftungsrohr zu reinigen, verhindert, dass Kondenswasser zurückläuft und einfriert – ein Problem, das zu Fehlalarmen und Dauerbetrieb führen kann.

No-Frost-Technologie funktioniert durch automatisches, periodisches Abtauen der Verdampferflächen. Ein Sensor überwacht die Eisbildung und aktiviert in regelmäßigen Abständen eine Heizung, die das Eis schmilzt. Das entstehende Wasser wird über einen Ablauf nach außen geleitet, wo es in einer Auffangschale verdunstet. Wenn jedoch dieser Ablauf verstopft ist – typischerweise durch Lebensmittelreste, Staub oder Eispartikel – kann das System nicht richtig funktionieren. Das Wasser läuft zurück, gefriert erneut, und der Sensor meldet permanent Eisbildung, was zu ständigen Abtauzyklen und entsprechend hohem Energieverbrauch führt.

Wie kleine Routinen die Lebensmittelsicherheit stärken

Der Einfluss der Temperatur auf mikrobielle Aktivität ist exponentiell. Bei -10 °C können Bakterien noch teilweise überleben und nach dem Auftauen sofort wieder wachsen. Bei -18 °C dagegen erreichen sie ein Stadium der metabolischen Inaktivität. Das bedeutet: Je häufiger der Gefrierschrank kurz über -18 °C steigt, desto häufiger erfahren Mikroorganismen Übergangsphasen, die ihre Resistenz fördern können.

Die Mikrobiologie des Gefrierens ist komplex und oft missverstanden. Gefrieren tötet Bakterien nicht ab – es versetzt sie in eine Art Ruhezustand. Bei Temperaturen unter -18 °C verlangsamen sich alle Stoffwechselprozesse so stark, dass praktisch keine Vermehrung mehr stattfindet. Die Zellwände der Bakterien bleiben jedoch intakt, und sobald die Temperatur wieder steigt, können sie ihre Aktivität wieder aufnehmen. Kritisch wird es, wenn Lebensmittel wiederholt teilweise auftauen und wieder gefrieren – etwa durch häufiges Öffnen der Tür, defekte Dichtungen oder zu hohe Umgebungstemperaturen. Diese Temperaturzyklen können paradoxerweise zur Selektion resistenterer Bakterienstämme führen.

Auch die Textur von Gemüse hängt direkt von der Geschwindigkeit des Wiedergefriervorgangs ab. Häufiges Teilauftauen führt zu großen Eiskristallen, die Zellmembranen zerstören. Deshalb sind Geräte mit stabilen Temperaturen nicht nur energiesparend, sie sind die Grundlage sensorischer Qualität.

Die physikalische Erklärung ist einfach: Beim Gefrieren bilden sich Eiskristalle im Zellgewebe. Je schneller dieser Prozess abläuft, desto kleiner sind diese Kristalle. Kleine Kristalle beschädigen die Zellstruktur kaum. Läuft das Gefrieren jedoch langsam ab – oder tauen Lebensmittel teilweise auf und gefrieren dann erneut – bilden sich große, nadelförmige Kristalle, die die Zellwände durchstechen. Das Ergebnis sind matschige, geschmacklich beeinträchtigte Lebensmittel nach dem Auftauen.

Ein weiteres oft übersehenes Detail: die Positionierung der Lebensmittel. Warme Mengen – etwa frisch gekochte Mahlzeiten – sollten nie direkt in den Hauptbereich gelegt werden. Die entstehende Wärmelast kann die Temperatur um mehrere Grad erhöhen, bevor der Kompressor reagiert. Besser: Portionieren, vorkühlen auf Raumtemperatur und erst dann einfrieren. Die physikalische Regel lautet: Wärmemasse immer gegen Kältegradienten einlagern, nie dagegen.

Wartung als Teil eines nachhaltigen Lebensstils

Nachhaltigkeit im Haushalt beschränkt sich selten auf Recycling oder den Kauf energieeffizienter Geräte. Sie zeigt sich vor allem im Umgang mit dem, was bereits vorhanden ist. Die Wartung des Gefrierschranks ist ein Musterbeispiel: Durch wenige Minuten monatlich lässt sich der Energiebedarf deutlich senken, und jedes Jahr, in dem kein Ersatzgerät angeschafft werden muss, spart Ressourcen – Metalle, Kunststoffe, Chemikalien für Kältemittel und Transportenergie.

Die Umweltbilanz eines Haushaltsgeräts wird nicht nur durch seinen Betrieb bestimmt, sondern auch durch seine Herstellung und Entsorgung. Die Produktion eines neuen Gefrierschranks verbraucht erhebliche Mengen an Energie und Rohstoffen: Stahl, Aluminium, Kupfer für die Kühlleitungen, Kunststoffe für Gehäuse und Innenteile, sowie spezielle Kältemittel. Der Transport vom Werk zum Händler und schließlich zum Verbraucher verursacht weitere Emissionen. Wenn ein Gerät durch richtige Wartung fünf oder zehn Jahre länger genutzt werden kann, werden all diese Umweltkosten entsprechend auf eine längere Nutzungsdauer verteilt.

Gerade alte Geräte, die mechanisch noch intakt sind, gewinnen durch korrekte Justierung ihrer Dichtungen eine neue Effizienzklasse. Erfahrungen aus der Haushaltstechnik zeigen, dass viele Modelle nach einer simplen Reinigung der Lüftungseinlässe bis zu 15 Prozent weniger Strom benötigen. Die technische Logik dahinter ist einfach: Bessere Wärmeabgabe bedeutet kürzere Kompressorlaufzeiten.

Ein Gefrierschrank aus den späten 1990er oder frühen 2000er Jahren mag auf dem Energielabel schlechter abschneiden als ein modernes A+++-Modell. Doch wenn er durch Wartung optimiert wird, kann der Unterschied im realen Verbrauch deutlich geringer sein, als die Energieklasse vermuten lässt. Zudem muss bei einer Neuanschaffung die graue Energie – also die für Produktion und Transport aufgewendete Energie – erst einmal durch Einsparungen im Betrieb amortisiert werden. Je nach Modell dauert dies mehrere Jahre. In dieser Zeit hätte ein gut gewartetes Altgerät seine Funktion mit vertretbarem Energieverbrauch erfüllt.

Häufig übersehene Einflussfaktoren auf den Stromverbrauch

Auch Faktoren außerhalb des Geräts selbst verändern seine Leistungsbilanz. Die Platzierung spielt dabei eine unterschätzte Rolle. Ein Gefrierschrank, der dicht an der Wand steht oder von Seitenwänden eingerahmt wird, kann seine Abwärme nicht effizient abführen. Die Folge: Der Kompressor läuft häufiger, und die Temperatur schwankt stärker. Ein Mindestabstand von fünf Zentimetern zur Wand ist nicht kosmetisch, sondern thermodynamisch notwendig.

Die Wärme, die dem Innenraum entzogen wird, muss irgendwohin. Sie wird über die Kondensatoren an der Rückseite oder Unterseite des Geräts an die Raumluft abgegeben. Dieser Prozess funktioniert nur dann effizient, wenn die erwärmte Luft ungehindert nach oben abströmen und durch kühlere Luft von unten ersetzt werden kann. Steht das Gerät zu nah an der Wand oder in einer Nische, entsteht ein Wärmestau. Die Kondensatoren können ihre Wärme nicht loswerden, der Kompressor muss länger laufen, und die Effizienz des gesamten Systems sinkt drastisch.

Zudem: Geräte, die neben Wärmequellen wie Heizkörpern oder Backöfen stehen, reagieren verzögert, da die Umgebungswärme ständig die Außenhülle aufheizt. Wie aus technischen Analysen bekannt ist, kosten schon 3 °C höhere Umgebungstemperatur rund 10 Prozent Mehrverbrauch. Deshalb ist der Standort eines der wirtschaftlichsten Optimierungsfelder im Haushalt überhaupt.

Die Platzierung eines Gefrierschranks sollte daher sorgfältig geplant werden. Ideale Standorte sind kühle, gut belüftete Räume – etwa der Keller oder eine Vorratskammer. In der Küche sollte das Gerät möglichst weit entfernt von Herd, Backofen, Spülmaschine und Heizkörpern stehen. Auch direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden. Diese Maßnahmen kosten nichts, erfordern nur vorausschauende Planung und können den Energieverbrauch messbar senken.

Technik trifft Verhalten: der Unterschied zwischen Kontrolle und Gewohnheit

Messgeräte und Alarmfunktionen helfen, aber entscheidend ist, dass Verhalten zu Routine wird. Wer ein monatliches Datum für die Temperaturprüfung im Kalender festlegt – etwa den ersten Tag jedes Monats – integriert technische Kontrolle in den Alltag. Dabei reicht ein einfaches Thermometer mit Min-/Max-Funktion: Es speichert Temperaturschwankungen, die sonst unbemerkt bleiben würden.

Die Psychologie der Gewohnheitsbildung ist hier der Schlüssel. Eine sporadische Kontrolle, die nur durchgeführt wird, wenn man zufällig daran denkt, ist wenig wirksam. Eine fest im Kalender verankerte Routine dagegen wird automatisiert und erfordert nach einiger Zeit keine bewusste Anstrengung mehr. Der erste Tag des Monats, der Wocheneinkauf, der Wechsel der Jahreszeit – all dies sind Ankerpunkte, an die sich die Überprüfung koppeln lässt.

Das Prinzip stammt aus der industriellen Lebensmittelüberwachung, der sogenannten HACCP-Methode, bei der kritische Punkte systematisch geprüft werden. Übertragen auf den privaten Haushalt bedeutet das: klare Frequenzen, klare Grenzwerte, klare Reaktion.

HACCP steht für Hazard Analysis and Critical Control Points – ein System, das in der Lebensmittelindustrie weltweit Standard ist. Es basiert auf der Identifikation kritischer Kontrollpunkte in der Produktionskette und deren systematischer Überwachung. Im Haushalt ist der Gefrierschrank ein solcher kritischer Punkt. Die Überwachung erfordert keine komplexen Verfahren: ein Thermometer, ein Kalender, fünf Minuten Zeit pro Monat. Doch die Wirkung ist erheblich.

Die Routine ist die stille Kommunikation zwischen Mensch und Maschine – einfache, aber extrem wirksame Rückmeldungsschleifen. Das Gerät kann nicht von sich aus mitteilen, dass die Dichtung nachlässt oder sich Eis bildet. Es ist auf die regelmäßige Inspektion durch den Nutzer angewiesen. Diese Partnerschaft zwischen Technik und Verhalten ist der wahre Schlüssel zu Langlebigkeit und Effizienz.

Was langfristig wirklich zählt

Ein Gefrierschrank ist kein statisches Objekt. Seine Effizienz wird täglich verhandelt – zwischen Temperaturgradienten, Luftfeuchtigkeit, Nutzungsmustern und Alterung der Materialien. Wer diese Dynamik versteht, verhindert, dass kleine Abweichungen sich zu teuren Langzeitproblemen summieren.

Jedes Öffnen der Tür, jedes neu eingefrorene Lebensmittel, jede Schwankung der Raumtemperatur beeinflusst das innere Gleichgewicht. Das Gerät reagiert auf diese Störungen, indem es den Kompressor aktiviert oder deaktiviert, die Lüfter steuert und bei modernen Modellen sogar die Kühlleistung moduliert. Doch diese Reaktionen basieren auf der Annahme, dass das Gerät in gutem Zustand ist. Defekte Dichtungen, verstopfte Lüftungsschlitze oder eine dicke Eisschicht können die Steuerungselektronik nicht kompensieren.

Ein sauberer Wärmetauscher, eine elastische Dichtung und eine zuverlässig kontrollierte Innentemperatur sind keine Nebensächlichkeiten, sondern die Grundlage der Energie- und Lebensmittelsicherheit im Haushalt. Die oft missachtete pragmatische Kombination aus Pflege und Messung ist, technisch betrachtet, die effektivste Form von Prävention.

Die moderne Konsumgesellschaft neigt dazu, Geräte als Wegwerfartikel zu betrachten. Funktioniert etwas nicht mehr optimal, wird es ersetzt. Doch diese Mentalität ignoriert sowohl die ökonomischen als auch die ökologischen Kosten. Ein Gefrierschrank, der durch regelmäßige Wartung 15 oder 20 Jahre hält, ist ein Modell nachhaltigen Konsums. Er bindet keine neuen Ressourcen, verursacht keinen Produktionsaufwand und keine Entsorgungsprobleme. Lebensmittel, die bei stabilen -18 °C lagern, bleiben nicht nur länger genießbar – sie behalten auch mehr Aroma, mehr Textur, mehr Nährstoffe. Ein gepflegter Gefrierschrank spart hingegen jedes Jahr ein spürbares Stück Stromrechnung und trägt zur Stabilität des gesamten Haushalts bei.

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