Wer kennt das nicht: Der Mac meldet plötzlich, dass der Speicherplatz knapp wird, obwohl man gerade erst aufgeräumt hat. Die Ursache liegt oft an einer Stelle, die Apple geschickt vor den Augen der meisten Nutzer verbirgt. macOS lädt nämlich Software-Updates bereits im Voraus herunter und speichert sie – manchmal über Wochen hinweg – in einem versteckten Ordner namens /Library/Updates. Diese vorbereiteten Installationsdateien können leicht mehrere Gigabyte verschlingen, ohne dass man davon erfährt. Ein vollständiges macOS-Update wie macOS Ventura benötigt etwa 14 GB Speicherplatz, während kleinere Punkt-Updates typischerweise zwischen 2 und 5 GB auf die Waage bringen.
Das stille Download-Verhalten von macOS
Apple hat sich bewusst dafür entschieden, Updates im Hintergrund vorzuladen. Die Idee dahinter ist durchaus nutzerfreundlich: Sobald man sich zur Installation entscheidet, geht alles schneller, weil der Download bereits abgeschlossen ist. Für Anwender mit schneller Internetverbindung und großzügigem Speicherplatz ist das kein Problem. Doch besonders Besitzer älterer MacBooks mit kleineren SSDs oder Mac-Nutzer, die ihre Festplatten intensiv nutzen, stoßen hier schnell an Grenzen.
Das Tückische: Diese automatischen Downloads erfolgen völlig unbemerkt. Man hat keine Benachrichtigung erhalten, keine Zustimmung gegeben – und trotzdem belegen die Dateien wertvollen Platz. Besonders ärgerlich wird es, wenn man ein Major-Update wie eine neue macOS-Version ablehnt, die Dateien aber dennoch auf dem System verbleiben. Während der Installation selbst reserviert das System zusätzlich 5 bis 10 GB für temporäre Daten, sodass insgesamt mindestens 20 GB freier Speicherplatz erforderlich sind.
Wie viel Speicherplatz verschlingen Updates wirklich?
Die Größe der heruntergeladenen Updates variiert erheblich je nach Art des Updates. Diese Dateien summieren sich über die Zeit, besonders wenn mehrere Updates gleichzeitig vorgeladen werden. Bei kleineren SSDs mit 256 GB oder weniger macht sich das schnell bemerkbar. Manche Nutzer haben berichtet, dass Cache-Dateien und temporäre Daten zu den bedeutendsten Speicherfressern auf dem Mac gehören und sich über Monate ansammeln können.
Experten empfehlen grundsätzlich, mindestens 10 bis 20 Prozent des internen Speichers verfügbar zu halten. Dadurch erhält die Systemsoftware genügend Spielraum für Updates und andere Aktivitäten. Ein vollständig gefüllter Speicher kann nicht nur die Installation von Updates verhindern, sondern auch die allgemeine Systemleistung beeinträchtigen. Bei einer 256-GB-SSD bedeutet das etwa 25 bis 50 GB freien Speicherplatz – ein Puffer, der sich in der Praxis als goldrichtig erweist.
Wo versteckt Apple die vorgeladenen Updates?
Die heruntergeladenen Update-Dateien lagern im Verzeichnis /Library/Updates. Dieser Ordner ist standardmäßig unsichtbar, was bedeutet, dass er im Finder nicht einfach angezeigt wird. Apple nutzt diese versteckten Systemordner, um die Benutzeroberfläche übersichtlich zu halten – mit dem Nebeneffekt, dass viele Anwender nicht wissen, was sich dort alles ansammelt.
Je nachdem, welche Updates Apple bereitgestellt hat, können sich dort einzelne Dateien oder ganze Installationspakete befinden. Das können sowohl große macOS-Versionen als auch kleinere Sicherheitsupdates sein, die sich über Wochen oder sogar Monate ansammeln können. Wer seinen Mac intensiv nutzt und ständig mit knappem Speicher jongliert, sollte diesen Ordner regelmäßig im Blick behalten.
So macht ihr versteckte Dateien sichtbar
Um überhaupt an den versteckten Ordner heranzukommen, müsst ihr zunächst die Anzeige versteckter Dateien im Finder aktivieren. Das funktioniert ganz einfach mit einer Tastenkombination: Öffnet den Finder und drückt gleichzeitig Cmd + Shift + Punkt. Alle versteckten Ordner und Dateien werden nun in einer gedimmten Darstellung angezeigt. Es ist fast wie ein Blick hinter die Kulissen eures Systems – plötzlich tauchen Ordner auf, von denen ihr vielleicht nie wusstet, dass sie existieren.
Alternativ könnt ihr auch direkt zum gewünschten Ordner springen: Drückt Cmd + Shift + G im Finder, gebt /Library/Updates ein und bestätigt mit Enter. Schon landet ihr direkt im Update-Verzeichnis, ohne euch durch die Ordnerstruktur klicken zu müssen. Diese Methode ist besonders praktisch, wenn ihr genau wisst, wonach ihr sucht.
Updates manuell löschen und Speicher zurückgewinnen
Habt ihr den Ordner gefunden, könnt ihr dessen Inhalt überprüfen. Typischerweise findet ihr dort Dateien mit kryptischen Namen oder deutlich erkennbare Installationspakete. Bevor ihr etwas löscht, solltet ihr euch sicher sein, dass ihr das entsprechende Update tatsächlich nicht installieren möchtet. Eine kurze Überlegung schadet nie – schließlich handelt es sich um Systemdateien.
Das Löschen funktioniert wie bei jedem anderen Ordner auch: Markiert die gewünschten Dateien und verschiebt sie in den Papierkorb. Anschließend solltet ihr den Papierkorb auch wirklich leeren, sonst bleibt der Speicherplatz weiterhin belegt. In manchen Fällen verlangt macOS nach eurem Administrator-Passwort, da es sich um Systemdateien handelt. Das ist eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, die verhindern soll, dass wichtige Daten versehentlich gelöscht werden.

Was passiert nach dem Löschen?
Keine Sorge: Wenn ihr diese Dateien entfernt, schadet ihr eurem System nicht. Im schlimmsten Fall lädt macOS das Update einfach erneut herunter, sobald ihr euch später doch für die Installation entscheidet. Der Vorgang dauert dann eben entsprechend länger, weil der Download wiederholt werden muss. Für die meisten Nutzer ist das ein akzeptabler Kompromiss, besonders wenn akuter Speichermangel herrscht.
Manche Nutzer berichten, dass Apple hartnäckig sein kann: Selbst nach dem Löschen werden größere Updates manchmal erneut im Hintergrund heruntergeladen. Das ist besonders bei neuen macOS-Versionen der Fall, die Apple offensiv verbreiten möchte. Hier hilft dann nur, die automatischen Updates in den Systemeinstellungen anzupassen – ein Schritt, den wir gleich genauer betrachten.
Automatische Downloads verhindern
Wer grundsätzlich verhindern möchte, dass macOS Updates eigenständig herunterlädt, kann das in den Einstellungen anpassen. Öffnet die Systemeinstellungen und navigiert zu Allgemein → Softwareupdate. Dort findet ihr eine Schaltfläche mit der Aufschrift „Automatische Updates“ oder einen ähnlichen Begriff, je nach macOS-Version.
Klickt darauf und deaktiviert die entsprechenden Optionen für automatische Downloads. Damit bestimmt ihr selbst, wann Downloads stattfinden. Ihr werdet weiterhin über verfügbare Updates informiert, aber nichts wird ohne eure ausdrückliche Zustimmung heruntergeladen. Diese Kontrolle ist besonders wertvoll, wenn ihr mit begrenztem Speicherplatz oder gedrosselten Internetverbindungen arbeitet.
Der Kompromiss zwischen Komfort und Kontrolle
Diese Einstellung hat natürlich auch einen Nachteil: Updates dauern länger, weil der Download erst nach eurer Bestätigung startet. Für die meisten Anwender mit ausreichend Speicherplatz ist das automatische Vorladen durchaus praktisch. Wer jedoch mit knappem Speicher jongliert oder gezielt entscheiden möchte, wann große Downloads stattfinden, profitiert von der manuellen Kontrolle. Es ist eine klassische Abwägung zwischen Bequemlichkeit und Autonomie.
Weitere versteckte Speicherfresser aufspüren
Wenn ihr schon dabei seid, euren Mac aufzuräumen, lohnt sich ein Blick auf weitere versteckte Ordner. Besonders der Ordner ~/Library/Caches kann erhebliche Datenmengen enthalten. Hier lagern temporäre Dateien von Programmen, die sich über Monate oder Jahre ansammeln. Ein Blick in diesen Ordner offenbart oft mehrere Gigabyte an Datenmüll, den ihr bedenkenlos entfernen könnt.
Auch der Ordner ~/Library/Application Support beherbergt manchmal Überreste längst deinstallierter Programme. Mit spezialisierter Software wie OnyX, CleanMyMac oder DaisyDisk lassen sich solche Speicherfresser komfortabler aufspüren und entfernen. Diese Tools visualisieren die Speicherbelegung und helfen dabei, unnötigen Ballast zu identifizieren, ohne dass man sich durch Systemordner wühlen muss. Für technikaffine Nutzer ist das manuelle Durchforsten aber oft die präzisere Methode.
Wann lohnt sich das manuelle Löschen wirklich?
Nicht jeder Mac-Nutzer muss sich mit diesem Thema beschäftigen. Wer ein neueres MacBook mit 512 GB oder mehr besitzt und seinen Speicher nicht bis zur letzten Ecke ausreizt, wird den Unterschied kaum bemerken. Anders sieht es aus, wenn ihr mit einem älteren Gerät arbeitet oder eine 256-GB-SSD habt, die chronisch voll ist. Dort kann das Wiederherstellen von Dateien nach macOS-Updates zusätzlichen Speicherplatz beanspruchen und die Situation verschärfen.
Ein praktisches Szenario: Ihr wollt schnell große Dateien übertragen oder ein umfangreiches Projekt bearbeiten, aber macOS meldet, dass zu wenig Speicher verfügbar ist. Statt stundenlang Dateien zu sortieren, könnt ihr mit wenigen Klicks mehrere Gigabyte durch das Entfernen vorgeladener Updates freischaufeln. Das verschafft euch sofort Luft zum Arbeiten und verhindert frustrierende Unterbrechungen.
Auch wenn ihr bewusst bei einer älteren macOS-Version bleiben möchtet – etwa weil bestimmte Programme noch nicht mit der neuesten Version kompatibel sind – ergibt das manuelle Löschen Sinn. So verhindert ihr, dass Apple euch mit ständigen Download-Versuchen den Speicher blockiert, obwohl ihr das Update gar nicht installieren wollt. Gerade in professionellen Umgebungen, wo Stabilität wichtiger ist als die neuesten Features, ist diese Kontrolle unverzichtbar.
Ein Blick hinter die Kulissen
Dieses Verhalten von macOS zeigt exemplarisch die Apple-Philosophie: Komfort und Einfachheit für den Durchschnittsnutzer stehen im Vordergrund, auch wenn das bedeutet, dass Entscheidungen vom System getroffen werden. Wer tiefer einsteigen und die volle Kontrolle behalten möchte, muss sich etwas intensiver mit dem System auseinandersetzen. Das ist weder gut noch schlecht – es ist einfach eine bewusste Designentscheidung.
Die gute Nachricht: macOS gibt euch alle Werkzeuge an die Hand, um solche versteckten Mechanismen zu durchschauen und anzupassen. Ihr müsst nur wissen, wo ihr suchen müsst. Mit diesem Wissen könnt ihr euren Mac effizienter nutzen, Speicherplatz gezielt verwalten und selbst entscheiden, wann und wie Updates installiert werden. Das macht den Unterschied zwischen einem System, das euch kontrolliert, und einem System, das ihr kontrolliert.
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