Warum das Schließen von iPhone-Apps deinem Akku schadet: Der Irrtum, den fast jeder macht

Viele iPhone-Nutzer haben es sich zur Gewohnheit gemacht: Nach der Nutzung einer App wandert der Finger automatisch zum App-Umschalter, um alle geöffneten Anwendungen zu schließen. Das Ritual des „Aufräumens“ fühlt sich produktiv an und vermittelt das beruhigende Gefühl, dem iPhone etwas Gutes zu tun. Doch genau hier liegt ein weit verbreiteter Irrtum, der sich hartnäckig hält – dieses vermeintlich hilfreiche Verhalten bringt in den meisten Fällen mehr Nachteile als Vorteile.

Warum das ständige Schließen von Apps meist kontraproduktiv ist

Apple hat iOS so konzipiert, dass das Betriebssystem selbstständig entscheidet, welche Apps im Hintergrund weiterlaufen dürfen und welche pausiert werden. Wenn ihr eine App verlasst, iOS versetzt Apps in Suspended-Zustand – einen eingefrorenen Modus. In diesem Zustand verbraucht sie praktisch keine Rechenleistung mehr und belegt keine aktiven Ressourcen. Die App bleibt im RAM gespeichert, bereit zur sofortigen Wiederaufnahme, ohne dass das System sie komplett neu laden muss.

Das manuelle Schließen durchbricht diesen intelligenten Kreislauf. Beim nächsten Öffnen muss das iPhone die App komplett neu starten: Der Programmcode wird von Grund auf geladen, Verbindungen werden neu aufgebaut, und zwischengespeicherte Daten müssen erneut abgerufen werden. Dieser Vorgang erfordert deutlich mehr Energie und Rechenleistung als das simple Reaktivieren einer App aus dem Standby-Modus.

Der Mythos vom Akkusparen durch App-Schließung

Die Logik scheint auf den ersten Blick einleuchtend: Weniger geöffnete Apps bedeuten weniger Energieverbrauch. In der Praxis funktioniert iOS jedoch völlig anders. Apps im eingefrorenen Zustand belasten den Akku kaum – sie sind im Prinzip nur noch Dateien im Arbeitsspeicher, die keine aktiven Prozesse ausführen.

Der eigentliche Energiefresser ist der Neustart. Jedes Mal, wenn ihr eine App aus dem Nichts heraus startet, muss der Prozessor auf Hochtouren arbeiten. Das Display zeigt Ladeanimationen, Daten werden vom Speicher gelesen, und im Hintergrund laufen zahlreiche Initialisierungsprozesse ab. All das kostet Strom – deutlich mehr, als wenn die App einfach aus dem Ruhezustand geweckt worden wäre. Apps, die komplett neu gestartet werden, verbrauchen nachweislich mehr Energie, da sie hochgefahren werden müssen, statt den bereits gespeicherten Zustand zu laden.

Was Apple selbst dazu sagt

Craig Federighi hat sich eindeutig geäußert, Apples Software-Chef, zu diesem Thema. Er betont, dass die Meinung, auf diese Weise den Akku zu schonen, auf einem Missverständnis beruht. Das regelmäßige Schließen von Apps wirkt sich auf die Langlebigkeit des Akkus nicht positiv aus – im Gegenteil, es kann sogar dazu führen, dass die Akkulaufzeit leidet.

Performance-Einbußen durch falsches App-Management

Wer regelmäßig genutzte Apps wie Messenger, Mail oder den Browser immer wieder komplett beendet, verliert wertvolle Sekunden bei jeder Nutzung. Diese scheinbar kurzen Wartezeiten summieren sich über den Tag verteilt zu mehreren Minuten. Hinzu kommt der Verlust der App-Zustände: Der Artikel, den ihr gerade gelesen habt, muss neu geladen werden. Die Position in einer Liste geht verloren. Formulare, die ihr teilweise ausgefüllt habt, sind möglicherweise zurückgesetzt.

So funktioniert das iOS-Speichermanagement wirklich

Apple hat in iOS ein ausgeklügeltes System implementiert, das den verfügbaren RAM intelligent verwaltet. Der Arbeitsspeicher wird vom Betriebssystem automatisch überwacht. Wenn tatsächlich Speicher benötigt wird – etwa beim Öffnen einer ressourcenintensiven App oder beim Bearbeiten von 4K-Videos – räumt iOS automatisch auf. Das System versendet zunächst Meldungen an geöffnete Apps und schließt dann nacheinander jene Anwendungen aus dem Speicher, die am längsten nicht genutzt wurden.

Dieser Prozess läuft völlig im Hintergrund ab, ohne dass ihr eingreifen müsst. iOS priorisiert dabei nach einem intelligenten Algorithmus: Häufig genutzte Apps bleiben länger im Speicher, während selten verwendete Anwendungen schneller entfernt werden.

Wann sollte man Apps tatsächlich schließen?

Es gibt durchaus Situationen, in denen das manuelle Beenden von Apps sinnvoll ist – diese sind jedoch die Ausnahme, nicht die Regel. Die pauschale Aussage, dass das Schließen von Apps immer schädlich ist, wäre zu absolut formuliert. In der Praxis zeigt sich ein differenzierteres Bild:

  • Hängende oder fehlerhafte Apps: Wenn eine Anwendung nicht mehr reagiert oder sich merkwürdig verhält, ist ein Neustart die richtige Lösung.
  • GPS- oder Musik-Apps bei Nichtgebrauch: Einige Apps laufen tatsächlich aktiv im Hintergrund weiter, etwa Navigations-Apps oder Musik-Streaming-Dienste mit laufender Wiedergabe.
  • Speicherintensive Anwendungen: Apps wie 3D-Animations-Software oder aufwendige Navigationsprogramme können nach der Nutzung geschlossen werden, da sie spürbar Ressourcen beanspruchen.
  • Probleme mit der App-Synchronisation: Manchmal hilft ein Neustart, wenn Daten nicht korrekt aktualisiert werden.
  • Banking- und Sicherheits-Apps: Aus Sicherheitsgründen kann es sinnvoll sein, diese nach Gebrauch zu schließen.

Die richtige Vorgehensweise für optimale iPhone-Performance

Statt euch auf das manuelle Schließen aller Apps zu konzentrieren, solltet ihr euer Augenmerk auf Maßnahmen richten, die tatsächlich einen Unterschied machen. Die Helligkeit des Displays anzupassen bringt beispielsweise deutlich mehr für die Akkulaufzeit als das routinemäßige App-Management. Ältere iPhone-Modelle, die nicht mit modernen Geräten mithalten können, profitieren manchmal vom selektiven Schließen speicherintensiver Apps, wenn zu viele Anwendungen im Hintergrund zu Verzögerungen führen.

Regelmäßige iOS-Updates sind ebenfalls wichtig, da Apple kontinuierlich an der Optimierung des Energieverbrauchs arbeitet. In den Einstellungen unter „Batterie“ findet ihr zudem detaillierte Informationen darüber, welche Apps tatsächlich viel Energie verbrauchen. Hier könnt ihr gezielt nach echten Stromfressern suchen, statt wahllos alle Apps zu schließen.

Die psychologische Komponente des digitalen Aufräumens

Warum hält sich dieser Mythos dann so hartnäckig? Ein Grund liegt in unserer Erfahrung mit klassischen Computern. Dort war es tatsächlich sinnvoll, nicht benötigte Programme zu beenden, um Ressourcen freizugeben. Diese Denkweise haben viele auf Smartphones übertragen – ein Trugschluss, denn mobile Betriebssysteme funktionieren grundlegend anders.

Dazu kommt das befriedigende Gefühl von Kontrolle und Ordnung. Der leere App-Umschalter vermittelt visuell Sauberkeit und Übersichtlichkeit. Diese psychologische Komponente ist nicht zu unterschätzen, auch wenn sie technisch in den meisten Fällen unbegründet ist.

Praktische Tipps für bessere Akkulaufzeit und Performance

Wenn ihr wirklich etwas für die Leistung eures iPhones tun wollt, konzentriert euch auf diese Maßnahmen:

  • Hintergrundaktualisierung selektiv deaktivieren: In den Einstellungen könnt ihr für einzelne Apps festlegen, ob sie im Hintergrund Daten laden dürfen.
  • Ortungsdienste überprüfen: GPS-Zugriff verbraucht viel Energie. Erlaubt ihn nur Apps, die ihn wirklich brauchen.
  • Push-Benachrichtigungen reduzieren: Jede Benachrichtigung weckt das Display und verbraucht Strom.
  • Dark Mode nutzen: Bei OLED-Displays wie beim iPhone 12 Pro und neueren Modellen spart das tatsächlich Energie.
  • Ressourcenintensive Apps gezielt schließen: Statt alle Apps zu beenden, konzentriert euch auf jene, die tatsächlich viele Ressourcen im Hintergrund beanspruchen.

Die beste Strategie für ein schnelles iPhone mit guter Akkulaufzeit ist paradoxerweise, weniger zu tun. Vertraut darauf, dass iOS seine Arbeit macht – Apple hat Millionen in die Entwicklung dieses Systems investiert. Das bedeutet nicht, dass ihr nie eine App schließen solltet, sondern vielmehr, dass ihr selektiv vorgehen solltet. Schließt Apps nur dann, wenn es einen konkreten Grund dafür gibt: eine fehlerhafte Anwendung, ein speicherintensives Programm nach der Nutzung oder eine tatsächlich im Hintergrund aktive App, die ihr nicht mehr benötigt. Das wahllose Wischen durch den App-Umschalter nach jeder einzelnen Nutzung bringt hingegen keine Vorteile. Euer iPhone wird es euch mit flüssiger Performance und längerer Laufzeit danken.

Schließt du regelmäßig alle Apps im iPhone App-Umschalter?
Ja immer nach jeder Nutzung
Nur bei hängenden Apps
Mehrmals täglich aus Gewohnheit
Nie lasse iOS das regeln
Nur speicherintensive Apps gezielt

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