Ich habe 47 Leggings getestet und herausgefunden warum manche 5 Jahre halten während andere nach Wochen durchhängen

Wenn Stoff seine Spannung verliert – warum Leggings ihre Form aufgeben und wie man sie zurückgewinnt

Elastische Kleidung ist eine stille Revolution des modernen Alltags. Leggings haben diese Revolution perfektioniert: Sie schmiegen sich an, passen sich an Bewegungen an, versprechen Komfort und Formstabilität. Doch nach einigen Waschgängen verfliegt dieser Zauber. Das Gewebe weitet sich, das Bündchen sitzt nicht mehr richtig, die Oberfläche wirkt ermüdet. Was als zweites Hautgefühl begann, endet oft als formloses Kleidungsstück – ein klassischer Fall von vorzeitigem Verschleiß.

Dieser Prozess vollzieht sich schleichend und weitgehend unbemerkt. Zunächst ist es nur ein leichtes Nachgeben am Knie, dann ein minimal weiterer Bund. Die Veränderungen sind subtil, doch sie summieren sich mit jedem Waschgang. Das Material, das ursprünglich mit mathematischer Präzision auf den Körper abgestimmt war, verliert seine definierte Struktur. Die Frage, die sich viele stellen, lautet nicht ob, sondern wann dieser Moment eintritt – und vor allem: Lässt sich dieser Verfall aufhalten?

Dass Leggings ihre Elastizität verlieren, ist kein Zeichen billiger Qualität, sondern das Resultat physikalischer und chemischer Prozesse, die in fast jeder Waschmaschine unvermeidlich auftreten. Gleichzeitig ist es ein Beispiel dafür, wie sich Textilpflege unmittelbar auf Verbrauch und Ressourcenschonung auswirkt: Wer die Lebensdauer elastischer Fasern verlängert, spart Geld, Energie und reduziert den Bedarf an Neuproduktion.

Die meisten Menschen behandeln Leggings wie gewöhnliche Baumwollkleidung – ein Fehler, der sich erst nach Wochen oder Monaten rächt. Während robuste Stoffe Temperaturschwankungen und mechanische Belastung tolerieren, reagieren Hochleistungsfasern mit irreversiblen Veränderungen auf vermeintlich harmlose Pflegefehler. Der Unterschied zwischen einem Kleidungsstück, das zwei Jahre hält, und einem, das nach sechs Monaten aussortiert wird, liegt oft nicht im Kaufpreis, sondern in der Art und Weise, wie es gewaschen wird.

Die unsichtbare Architektur elastischer Fasern

Das Geheimnis jeder Leggings liegt in einem Kernmaterial: Elasthan, auch bekannt unter Handelsnamen wie Lycra oder Spandex. Dieses synthetische Polymer besteht aus langen Ketten, die sich unter Spannung dehnen und danach wieder zusammenziehen. Der Mechanismus basiert auf der reversiblen Trennung von weichen, amorphen Segmenten, die Beweglichkeit erlauben, und starren, kristallinen Segmenten, die die ursprüngliche Form „erinnern“.

Diese mikroskopische Architektur ist das Ergebnis jahrzehntelanger Materialforschung. Jede einzelne Faser funktioniert wie ein winziger Federmechanismus, der sich Tausende Male dehnen und zurückziehen kann, ohne seine grundlegende Struktur zu verlieren – zumindest theoretisch. In der Praxis jedoch reagiert dieses fein abgestimmte System äußerst sensibel auf äußere Einflüsse.

Hitze stellt die erste große Bedrohung dar. Schon moderate Temperaturen können die schwachen Bindungen zwischen den Polymerketten schwächen. Mechanische Reibung ist die zweite: Jedes Mal, wenn Fasern aneinander reiben oder sich verdrehen, entstehen mikroskopische Beschädigungen. Chemische Einflüsse bilden die dritte Gefahr – bestimmte Substanzen in Waschmitteln dringen in das Polymernetz ein und verändern dessen molekulare Struktur.

Das Tückische an diesem Prozess ist seine Unmerklichkeit. Während ein Riss oder ein Fleck sofort sichtbar wird, vollzieht sich der Elastizitätsverlust auf molekularer Ebene. Die Faser sieht aus wie immer, doch ihre innere Ordnung löst sich allmählich auf. Erst wenn dieser Abbau ein kritisches Ausmaß erreicht hat, wird er als äußerliche Formveränderung sichtbar.

Warum die Waschmaschine zum Feind wird

Die Trommel einer Waschmaschine ist ein Ort extremer mechanischer Belastung. Beim Schleudern stauchen sich die Fasern millionenfach gegeneinander; jedes Mal, wenn ein Kleidungsstück an einer Metallkante scheuert, bricht ein winziger Teil der Flexibilität. Das erklärt, warum Leggings auch ohne sichtbare Löcher nach wenigen Umdrehungen „ausgeleiert“ wirken: Ihre Elastanstruktur ist innerlich beschädigt, selbst wenn das Gewebe äußerlich perfekt erscheint.

Der Waschvorgang selbst ist ein komplexes Zusammenspiel aus Wasser, Waschmittel, Bewegung und Temperatur. Jeder dieser Faktoren kann die empfindliche Polymerstruktur beeinflussen. Wasser allein ist relativ harmlos, doch in Kombination mit Hitze und chemischen Zusätzen wird es zum Katalysator für beschleunigte Alterungsprozesse.

Besonders kritisch sind enzymehaltige Waschmittel. Diese enthalten biologische Katalysatoren, die entwickelt wurden, um organische Flecken wie Proteine oder Fette zu zersetzen. Was bei Baumwolle oder Leinen hervorragend funktioniert, kann bei synthetischen Polymeren unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben. Die Enzyme greifen nicht nur Schmutzpartikel an, sondern können auch die Polymerketten selbst beeinflussen, was zu einer allmählichen Schwächung der Faserstruktur führt.

Aggressive Bleichzusätze verstärken diesen Effekt noch. Sie oxidieren nicht nur Farbstoffe, sondern auch die Polymerketten selbst. Das Ergebnis ist eine chemische Degradation, die sich zunächst als leichte Verfärbung zeigt, später aber auch die mechanischen Eigenschaften beeinträchtigt.

Das unterschätzte Verhältnis von Material und Haltbarkeit

Nicht alle Leggings altern gleich schnell. Die entscheidende Variable ist das Verhältnis zwischen Elasthan und Trägermaterial – meist Polyamid (Nylon) oder Polyester.

Polyamid-Elasthan-Mischungen zeichnen sich durch hohe Dehnbarkeit und seidigen Griff aus, sind jedoch empfindlicher gegenüber Reibung und Hitze. Das Polyamid selbst ist eine robuste Faser mit exzellenten mechanischen Eigenschaften, doch in Kombination mit dem elastischen Anteil entsteht ein Gewebe, das besondere Pflege erfordert. Die Weichheit, die diese Mischung so angenehm macht, geht mit einer höheren Anfälligkeit für Abrieb einher.

Polyester-Elasthan-Mischungen bieten höhere UV-Beständigkeit und Formstabilität, können aber statischer aufgeladen wirken und weniger atmungsaktiv sein. Polyester ist chemisch stabiler als Polyamid und widersteht bestimmten Umwelteinflüssen besser. Allerdings fühlt sich das Gewebe oft weniger geschmeidig an, was viele Konsumenten als weniger komfortabel empfinden.

Baumwollmischungen mit Elasthan fühlen sich natürlich an, nehmen jedoch mehr Wasser auf und beanspruchen damit beim Waschen stärker die elastischen Garne. Baumwolle quillt in Wasser auf und wird schwerer, was zusätzliche Zugkräfte auf die eingearbeiteten Elasthanfäden ausübt. Zudem trocknet Baumwolle langsamer, was die Expositionszeit gegenüber Feuchtigkeit verlängert.

Je höher der Elasthananteil, desto empfindlicher wird das Textil. Bei sportlichen Leggings mit 15 Prozent oder mehr Elastananteil entstehen die größten Probleme: Das Gewebe reagiert besonders sensibel auf Pflegefehler – idealerweise sollte es gewaschen werden, als wäre es Seide.

Die Chemie des Waschmittels entschlüsselt

Viele Konsumenten glauben, ein „mildes“ Waschmittel sei automatisch besser. In Wahrheit hängt es vom pH-Wert und den Inhaltsstoffen ab. Enzymfreie Flüssigwaschmittel ohne optische Aufheller schonen synthetische Fasern deutlich mehr als Pulver oder Universalwaschmittel. Enzyme wie Protease oder Lipase, die Flecken aus natürlichem Gewebe lösen, können bei Kunstfasern problematisch sein.

Der pH-Wert spielt eine unterschätzte Rolle. Während Baumwolle leicht alkalische Bedingungen toleriert, bevorzugen synthetische Fasern neutrale bis leicht saure Umgebungen. Ein zu alkalisches Waschmittel kann die Oberfläche der Fasern angreifen und deren Struktur verändern. Das zeigt sich zunächst als veränderte Haptik – das Material fühlt sich rauer an – und später als nachlassende Elastizität.

Ebenso relevant ist die Dosierung: Zu viel Waschmittel hinterlässt Rückstände, die sich in der Faserstruktur festsetzen und mit der Zeit die Elastizität mindern. Diese Rückstände bilden mikroskopische Ablagerungen, die sich zwischen den Polymerketten ansammeln. Sie wirken wie winzige Keile, die die Beweglichkeit der Fasern einschränken. Zu wenig Waschmittel führt zu unzureichender Reinigung, was Schweiß- und Fettrückstände oxidieren lässt – eine chemische Belastung, die ebenfalls Faserschäden beschleunigt.

Weichspüler, oft als Pflegeprodukt missverstanden, ist für elastische Fasern kontraproduktiv. Die kationischen Tenside lagern sich auf der Faseroberfläche ab und können die Atmungsaktivität reduzieren. Zudem können bestimmte Inhaltsstoffe die Elastanfäden angreifen und deren Rückstellkraft vermindern.

Die kritischen Schwellenwerte von Temperatur und Bewegung

Die Standardempfehlung „bei 30 Grad waschen“ ist nicht beliebig. 30 Grad Celsius gelten als Schwelle, unterhalb derer Elastanfasern keine dauerhafte Strukturveränderung erfahren. Jenseits davon beginnen die Polymerketten zu relaxieren, das Material verformt sich.

Diese Temperaturgrenze ist das Ergebnis der thermischen Eigenschaften von Elasthan. Bei niedrigeren Temperaturen bleiben die Bindungen zwischen den Polymersegmenten stabil. Mit steigender Temperatur erhöht sich die molekulare Beweglichkeit – die Ketten beginnen zu „fließen“ und verlieren ihre geordnete Struktur. Dieser Prozess ist teilweise reversibel, wenn die Erwärmung nur kurz dauert, wird aber bei wiederholter Exposition zunehmend permanent.

Wichtiger noch ist der Schleudergang. Hohe Drehzahlen bedeuten für die feinen Fasern eine wiederholte mechanische Dehnung. Bei Sportleggings, die eng am Körper anliegen und besonders viel Elasthan enthalten, sind niedrigere Schleuderdrehzahlen deutlich schonender.

Die Zentrifugalkraft bei hohen Drehzahlen presst die nassen, schweren Textilien gegen die Trommelwand. Dabei entstehen lokale Spannungsspitzen, die einzelne Fasern über ihre Elastizitätsgrenze hinaus dehnen können. Jede solche Überdehnung hinterlässt mikroskopische Schäden, die sich akkumulieren.

Das Trocknen im Wäschetrockner ist noch kritischer: Hohe Temperaturen können den Elastananteil unwiederbringlich schädigen. Die Fasern verlieren ihre Rückstellspannung – das Kleidungsstück bleibt erweitert, als hätte es seine Erinnerung gelöscht. Lufttrocknung ist daher kein Kompromiss, sondern Pflicht. Am besten: flach auslegen, nicht aufhängen, um Ausdehnung durch Eigengewicht zu vermeiden.

Beim Aufhängen zieht das Gewicht des wassergesättigten Gewebes kontinuierlich an den Fasern. Besonders an den Aufhängepunkten – etwa den Schultern oder dem Bund – entstehen Bereiche permanenter Dehnung. Das erklärt, warum manche Leggings nach dem Trocknen an bestimmten Stellen deutlich weiter sind als an anderen.

Strategien für verlängerte Materialleistung

Man kann die empfindliche Chemie moderner Funktionsfasern nicht ändern, wohl aber das Umfeld, in dem sie altern. Ein systematischer Pflegeansatz verlängert die Lebensdauer eines Paares Leggings leicht um das Doppelte.

  • Separat oder in einem Wäschesäckchen waschen hilft, Reibung mit Reißverschlüssen, Knöpfen oder rauen Textilien zu vermeiden
  • Kaltwaschgänge oder maximal 30 Grad Celsius als feste Obergrenze einhalten
  • Flüssigwaschmittel ohne Enzyme verwenden und auf Weichspüler verzichten
  • Niedrige Schleuderdrehzahlen bevorzugen; überschüssiges Wasser lässt sich alternativ durch ein Handtuch ausdrücken
  • Trocknen im Schatten, flach ausgelegt, schützt vor UV-Strahlung und Wärmeverformung

Ein Wäschesack schafft eine Schutzbarriere zwischen dem empfindlichen Gewebe und anderen, potenziell schädlichen Kleidungsstücken. Metallteile wie Reißverschlüsse oder BH-Haken können beim Schleudern mit enormer Kraft gegen die Leggings schlagen und dabei Fasern beschädigen oder sogar durchtrennen.

Die Handwäsche erlaubt eine noch präzisere Kontrolle über mechanische Belastung und Expositionszeit. Zudem lassen sich gezielt Problemzonen wie der Schritt oder die Knie behandeln, ohne das gesamte Kleidungsstück unnötigem Stress auszusetzen.

Ein bis zwei Esslöffel destillierter Essig können als natürlicher Neutralisator dienen. Essig senkt den pH-Wert des Spülwassers leicht ab, entfernt Waschmittelrückstände und wirkt geruchsneutralisierend – alles ohne die aggressive Wirkung synthetischer Weichspüler.

Beim Ausdrücken wird die Leggings in ein saugfähiges Handtuch eingerollt und vorsichtig gepresst. Diese Methode entfernt erstaunlich viel Wasser, ohne die Fasern mechanisch zu belasten. UV-Strahlung kann nicht nur Farben ausbleichen, sondern auch Polymerketten aufbrechen. Dieser photochemische Abbau verstärkt sich durch Wärme und Feuchtigkeit – eine Kombination, die beim Trocknen in der Sonne gegeben ist.

Diese Routine erfordert keine nennenswerte Zusatzzeit, hat aber einen spürbaren Effekt: Das Kleidungsstück behält seine Kompression, der Bund bleibt formschlüssig, und das Gefühl beim Tragen ist länger identisch mit dem ursprünglichen Zustand.

Die ökologische Dimension der Textilpflege

Jedes Paar Leggings, das sechs Monate länger hält, spart nicht nur Geld, sondern wirkt sich auch auf die Ökobilanz aus. Textilien auf Elastanbasis sind ressourcenintensiv: Sie stammen aus Erdöl, benötigen bei der Produktion hohe Energiemengen und setzen beim Waschen Mikroplastik frei. Eine Verlängerung der Lebensdauer verringert den jährlichen Nachkaufbedarf und somit indirekt auch den Energieaufwand der gesamten Lieferkette.

Die Herstellung von Elasthan ist ein chemisch komplexer Prozess, der erhebliche Mengen an Energie und Rohstoffen erfordert. Von der Erdölraffinerie über die Polymerisation bis zur Faserproduktion durchläuft das Material zahlreiche energieintensive Schritte. Jedes Kleidungsstück, das vorzeitig entsorgt wird, repräsentiert verschwendete Ressourcen und unnötige Emissionen.

Die Umstellung von „Fast Rotation“ – häufigem Ersatz – zu „Slow Care“ – gezielter Pflege – bedeutet weniger Waschzyklen pro Jahr, geringeren Wasser- und Stromverbrauch sowie geringere Kunststoffemissionen. Ein einzelner Verbraucher merkt die Ersparnis im Geldbeutel, gesellschaftlich aber summiert sie sich zu einer Reduktion von Millionen Textilabfällen jährlich.

Textilabfälle stellen weltweit ein wachsendes Problem dar. Der durchschnittliche Konsument kauft heute deutlich mehr Kleidung als vor zwanzig Jahren, trägt sie aber kürzer. Diese Entwicklung wird durch niedrige Preise und schnell wechselnde Trends befeuert. Eine Verlängerung der Nutzungsdauer auch nur um einen Bruchteil könnte die Gesamtmenge an Textilabfällen erheblich reduzieren.

Qualitätsmerkmale, die Langlebigkeit versprechen

Pflege allein genügt nicht, wenn das Material von Anfang an schlecht verarbeitet ist. Wer den Verschleiß deutlich verzögern will, sollte auf konstruktive Details achten, die im Alltag kaum beachtet werden.

Flachnähte anstelle von Overlock-Stichungen reduzieren die innere Spannung beim Dehnen und verhindern das „Knacken“ der Fäden. Overlock-Nähte, die bei günstigen Produkten häufig eingesetzt werden, erzeugen Verdickungen, an denen sich Spannungen konzentrieren. Bei wiederholter Dehnung können diese Bereiche reißen oder sich verformen.

Doppellagen-Bünde mit elastischem Kern, der separat versiegelt ist, verteilen Zugkräfte gleichmäßig. Ein qualitativ hochwertiger Bund besteht aus mehreren Schichten unterschiedlicher Elastizität, die zusammen eine optimale Kombination aus Halt und Komfort bieten. Der innere Kern sorgt für Stabilität, während die äußeren Lagen für Geschmeidigkeit sorgen.

Die Garnqualität macht einen erheblichen Unterschied: Qualitätsmarken verwenden multifile Polyamidgarne, die eine glattere Oberfläche bieten und weniger Reibung erzeugen. Diese Garne bestehen aus vielen feinen Einzelfilamenten, die zu einem Faden verzwirnt sind. Das Ergebnis ist eine höhere Festigkeit bei geringerem Durchmesser und eine seidigere Haptik.

Farbstabilität ist ein weiterer Indikator: Hochwertige Leggings sollten lichtbeständige Pigmente enthalten. Ausbleichende Farbe kann auf chemischen Abbau hinweisen. Die gleichen UV-Strahlen, die Farben zerstören, greifen auch Polymerketten an. Ein Kleidungsstück, das seine Farbe schnell verliert, verliert wahrscheinlich auch seine mechanischen Eigenschaften rascher.

Beim Anprobieren lässt sich Langlebigkeit sogar erfühlen: Wenn der Stoff beim Dehnen sanft nachgibt und sich unmittelbar wieder strafft, ist die Faserstruktur intakt und homogen. Günstige Varianten mit ungleichmäßiger Spannung verlieren diesen Rücksprung schon nach wenigen Zyklen. Ein einfacher Test ist das Dehnen eines Bereichs am Oberschenkel: Kehrt das Material binnen einer Sekunde vollständig in seine Ausgangsform zurück, ist die Elastanqualität hoch.

Reparatur und Reaktivierung erschöpfter Fasern

Auch wenn die Elastizität nachlässt, muss das Kleidungsstück nicht sofort ersetzt werden. Wärmebehandlungen mit Dampf können kurzfristig Abhilfe schaffen: Sie können das Polymer reaktivieren, wenn die Verformung noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Ein Bügeleisen mit Dampffunktion auf niedriger Stufe genügt, um den Fasern etwas Spannung zurückzugeben – nur indirekt über ein Baumwolltuch und ohne Druck.

Der Dampf dringt in die Faserstruktur ein und ermöglicht den Polymerketten eine Neuausrichtung. Dieser Effekt ist temporär und funktioniert nur, wenn die chemische Degradation noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Dennoch kann diese Methode einem Kleidungsstück zusätzliche Wochen oder Monate Tragezeit verschaffen.

Wer näht, kann ausgeleierte Bereiche an Hüfte oder Knöchel durch elastische Einsätze stabilisieren oder einen Gummizug unsichtbar im Bund vernähen. Das Ergebnis ist kein perfekter Ersatz der Dehnbarkeit, aber eine deutliche Funktionsverlängerung, die weitere Monate Tragezeit bringt. Solche Reparaturen erfordern etwas handwerkliches Geschick, sind aber mit grundlegenden Nähkenntnissen durchaus machbar.

Mikroplastik und Wasserqualität

Eine oft übersehene Folge des Elastanabbaus ist die Freisetzung von Mikrofasern. Der mechanische Bruch geschwächter Fasern ist eine Hauptquelle für synthetische Partikel, die in das Abwasser übergehen können.

Die gleichen Maßnahmen, die Leggings länger elastisch halten, verringern auch diese Emission: geringere Temperatur, weniger Schleuderbewegung, Schonwaschgang. Ergänzend helfen spezielle Waschbeutel, die einen Teil der Partikel auffangen können, bevor sie ins Abwasser gelangen.

Diese Waschbeutel bestehen aus einem sehr feinen Gewebe, das Mikrofasern zurückhält, während Wasser und Waschmittel hindurchfließen können. Nach dem Waschgang sammeln sich die aufgefangenen Fasern in den Ecken des Beutels und können entfernt und im Restmüll entsorgt werden. Das verhindert, dass sie in Kläranlagen und letztlich in Gewässer gelangen.

Damit verwandelt sich ein Pflege-Trick in eine ökologische Handlung: Was gut für die Textilfasern ist, schützt zugleich Wasserökosysteme. Die Verbindung zwischen persönlichem Nutzen und Umweltschutz macht diese Maßnahmen besonders attraktiv, da sie keine Kompromisse erfordern, sondern beides gleichzeitig erreichen.

Warum Rotationspflege die Lebensdauer verdoppelt

Langfristige Gewohnheiten erweisen sich als besonders wirkungsvoll. Pflegepläne nach Gebrauchsdauer anzulegen bedeutet, Leggings nach Sportaktivitäten nur bei Bedarf zu waschen. Lüften reicht oft aus, besonders wenn keine sichtbare Verschmutzung vorliegt.

Schweiß verdunstet beim Lüften, und die meisten Gerüche verschwinden, wenn das Kleidungsstück einige Stunden an der frischen Luft hängt. Nur bei starker Verschmutzung oder intensivem Sport ist eine vollständige Wäsche tatsächlich notwendig. Diese Unterscheidung kann die Anzahl der Waschgänge pro Jahr halbieren.

Kleidung nach Funktion zu gruppieren – Sport-, Freizeit- und Homewear getrennt zu reinigen – ermöglicht spezifische Waschprogramme ohne Kompromisse. Sportkleidung benötigt oft eine gründlichere Reinigung, während Freizeitleggings mit einem kürzeren, schonenderen Programm auskommen.

Das Rotationsprinzip ist besonders effektiv: Mehrere Leggings abwechselnd zu tragen gibt jeder Faser Ruhezeiten, in denen sie sich strukturell regenerieren kann. Polymere besitzen eine gewisse „Erholung“ – nach Dehnung benötigen sie Zeit, um ihre optimale Konfiguration wiederzufinden. Wer dasselbe Paar täglich trägt, verhindert diese Regeneration.

Das Ergebnis: geringere Abnutzung, längere Farbtreue, stabilere Passform. Der Unterschied zeigt sich nicht nach Tagen, sondern nach zwanzig bis dreißig Waschgängen – wenn eine achtsam gepflegte Leggings aussieht wie neu und ihre Schwester aus derselben Kollektion bereits ausgeleiert in der Schublade liegt.

Die Summe kleiner Entscheidungen

Ein Stück Stoff, das sich dem Körper anpasst, spiegelt das Verhältnis zwischen Nutzung und Pflege wider. Mit klarem Wissen über die Empfindlichkeit von Elasthan, präzise gewählten Waschbedingungen und wenigen konsequenten Routinen wird aus kurzlebiger Mode ein langlebiges Alltagswerkzeug. Die Investition liegt nicht nur im Kaufpreis, sondern in der Achtsamkeit beim Umgang mit Material.

Jede Entscheidung beim Waschen – die Temperatur, das Waschmittel, die Schleuderdrehzahl – hat kumulative Effekte. Was bei einem einzigen Waschgang unbedeutend erscheint, wird über Monate und Jahre zur entscheidenden Variable. Die Differenz zwischen einem Kleidungsstück, das seine Funktion zwei Jahre erfüllt, und einem, das nach sechs Monaten versagt, liegt in der Akkumulation dieser kleinen Unterschiede.

Wer diesen Kreislauf versteht, spart im Laufe der Zeit mehr als nur Geld: Er reduziert Abfall, Energieverbrauch und den Druck auf natürliche Ressourcen. Und jedes Mal, wenn eine Leggings nach einem Jahr noch sitzt wie am ersten Tag, ist das ein Beweis dafür, dass selbst ein alltäglicher Waschgang eine Form praktischer Nachhaltigkeit sein kann.

Die Pflege elastischer Textilien ist keine esoterische Wissenschaft, sondern angewandte Materialkenntnis. Sie erfordert weder exotische Produkte noch übermäßigen Zeitaufwand. Was sie verlangt, ist Bewusstsein – das Verständnis dafür, dass moderne Funktionsfasern Hochleistungsmaterialien sind, die entsprechende Behandlung verdienen.

Wie oft wäschst du deine Sportleggings nach dem Tragen?
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Nach 2-3 Mal tragen
Nur bei sichtbarem Schmutz
Ich lüfte sie nur aus

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